Let’s Plays sind der falsche Weg

By | 24. März 2017

Es macht im Moment überall die Runde. Nintendo verlangt von Lets Playern 30-40% ihrer Einnahmen.
Diese Nachricht hat die Nintendofans etwas gespalten. Es gibt die Fraktion, die der Meinung ist, dass sei von Nintendo der richtige Weg, auf der anderen Seite gibt es natürlich die empörte Fraktion die keinerlei Verständnis für solch eine Regelung seitens Big N haben. Ich möchte im folgenden Kommentar gar nicht so sehr auf die Argumente der beiden Seiten eingehen, denn diese findet man wie Sand am Meer auf fast allen IT-Webseiten. Es geht mir auch gar nicht darum Nintendo zu Verteidigen oder mich der Gegenfraktion anzuschließen, denn für eine objektive Meinung fehlen mir jegliche Informationen, die Nintendo zu solch einer Entscheidung bewogen haben könnte. Was jedoch Fakt ist, ist dass Lets Player mit ihren Videos Geld verdienen (die großen zumindest) und dabei auf das geistige Eigentum anderer zugreifen. Ob ein Lets Play wirklich Werbung für ein Spiel ist, ist auch stark zu bezweifeln. Gerade bei singleplayer Spielen stellt sich doch die Frage warum man sich ein Spiel kaufen soll nachdem man alle Aspekte, inklusive dem Ende in einem Lets Play gesehen hat? Sogesehen können Lets Plays sogar kontraproduktiv sein. Es gibt sogar Beispiele (Quelle) die darauf hinweisen dass Lets Plays nicht die Werbung sind, für die viele sie halten.

In einem Kommentar zu der Nachricht mit der neuen Lets Play-Regelung seitens Nintendo habe ich etwas sehr interessantes gelesen. Da hieß es dass es ja schließlich auch Menschen gibt die nicht in der Lage sind besagte Spiele zu spielen. Sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aus finanziellen. Schauen wir uns doch einmal die Zielgruppe der gesundheitlich Eingeschränkten ein. Optimistisch (sehr optimistisch!) betrachtet macht das vielleicht 1% der Zuschauer aus. Wenn man Lets Plays für besagte Zielgruppe erstellt sollten die Abgaben nicht ins Gewicht fallen, da bei einer solch kleinen Zielgruppe die Einnahmen gegen Null gehen. Die zweite Kategorie liegt eigentlich auch auf der Hand. Wenn man nicht die finanziellen Mittel hat um das Spiel zu genießen ist es nunmal so. Es ist nunmal ein Luxusgut. Wenn man es sich nicht leisten kann einen Film im Kino oder auf Blu-Ray anzuschauen hat man auch nicht automatisch das Recht es auf YouTube zu sehen. Und nichts anderes ist ein Lets Play. Sei es nun kommentiert oder nicht.

Bei der Thematik Lets Plays gibt es sogar gewisse Parallelen zu anderen Medien, vorallem Filme. Es gab eine Pre-TV-Ära in der man Bücher gelesen und sich seiner Phantasie bemächtigt hat. Dann kamen die Filme. Es war nicht mehr notwendig selber nachzudenken weil die Glotze einem eine vorgefertigte Meinung serviert hat. Nach dem Prinzip „Eine vorgefertigte Meinung mit allem zum Mitnehmen, bitte.“ Es gab Zeiten da hat man sich ein Spiel gekauft und es individuell erlebt. Man musste selber Nachdenken (Stichwort Point-And-Click-Adventure oder Taktik bei Shootern/Strategiespielen) oder konnte gar in eine fremde Welt eintauchen und einen komplett neuen Charakter annehmen (Rollenspiele). Nun heißt es auch bei Spielen „Eine vorgefertigte Meinung samt Story zum Mitnehmen, bitte!“. Letztendlich sind Lets Plays die neuen Vormittagssendungen des Internets. Sie nehmen den Spielen die Möglichkeit Spieler individuell zu unterhalten und ersetzen dies durch die Sichtweisen des Lets Players. Die Spieleindustrie hat sehr schwierige Zeiten in den vergangen Jahren durchgemacht. Vorallem Shooter. Wir erinnern uns an viele Amokläufer und den darauffolgenden Anti-Spiele-Hypes durch die Medien. Plötzlich war jeder, der irgendwann mal eine Psychologie-Vorlesung besucht hat ein Experte für Videospiele und deren Auswirkungen auf die Jugend. Jedoch gab es zum Glück auch Gegenstimmen mit Argumenten wie die Förderung von Kommunikation, takisches Denken, Reaktionsvermögen oder Kreativität. All diese Argumente werden jedoch durch Lets Plays zunichte gemacht. Im Endeffekt schneidet man sich damit ins eigene Fleisch.

Die jedoch empörteste Gruppe sind, wer hätte es gedacht, die Lets Player selber. Wenn ich dann Kommentare wie „Fick dich, Nintendo!“ (Zitat PewDiePie) lese kann ich mir nurnoch an die Stirn fassen. Da wird mir aber ganz schnell klar worum es eigentlich bei der ganzen Sache wieder geht – das gute alte Geld. Wenn Lets Plays der falsche Weg ist, wie sieht dann der richtige Weg aus? Das ist eine gute Frage, ich glaube nicht dass man es pauschal beantworten kann. Aber ich denke unabhängige und objektive Reviews sind ein guter Anfang. Sie zeigen die wichtigsten Features des Spiels ohne zuviel zu verraten und lassen dem Spieler genug Raum für eine eigene Meinung und ein individuelles Spielerlebnis. Das ist natürlich nur meine Meinung. Wie denkt ihr über dieses doch sehr kontroverse Thema nach?

 

Dieser Kommentar entstand in Kooperation mit NFans.de

2 Kommentare zu “Let’s Plays sind der falsche Weg

  1. Ulrich Dreher

    Obwohl ich das alles sehr gelassen sehe, muß ich zugeben daß ich schon öfter Let’s Plays geschaut habe, um mir das Spiel NICHT kaufen zu müssen – also da hat Nintendo nicht so Unrecht… Ob das im Endeffekt einen finanziellen Unterschied aus macht sei dahingestellt. Ich persönlich fände es jedenfalls schade, wenn es keine LPs mehr geben würde.

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  2. Max

    Mein erste Reaktion auf die Nindendo-Nachricht war auch Unverständnis. Wenn man sich aber mal ein wenig in die Position von Nintendo hineinversetzt, macht das schon Sinn. Den Vergleich zu Filmen finde ich auch durchaus passend. Man stelle sich mal nach dem selben Prinzip ein „Let’s Watch“ vor, das würde die Filmbranche ebenso wenig hinnehmen. Also ich bin da eher auf der Seite von Nintendo, finde Let’s Plays persönlich übrigens auch ziemlich langweilig! Aber mich fragt ja keiner. 🙂

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