Bitcoin Cash Fork – Poker-Runde auf der Blockchain

By | 31. Juli 2017
Poker!

Poker!
Dieses Bild von Viri G steht unter der CC BY 2.0

Wir haben eine große Pokerrunde.
Es gibt eine Liste, auf der steht, wer wie viele Chips hat. Jeden Samstag treffen sich alle, die Lust haben, und wir Pokern. Der Ausrichter des Abends trägt auf der Liste ein, wer wie viele Chips gewonnen oder verloren hat. Manchmal kaufen sich die Leute gegenseitig etwas ab für die Chips – wenn einer dem anderen ein Bier mitbringt oder eine Pizza mitbestellt, dann schreibt er einen kleinen Zettel, zum Beispiel “Ich, Peter, bestätige, dass Jochen von mir 37 Poker-Chips bekommt.”, mit Datum und Uhrzeit. Der Ausrichter des Abends trägt das dann auch auf der Liste ein. Außerdem darf sich der Ausrichter am Ende des Abends einen bestimmten Betrag Chips gut schreiben, als Dank für seine Mühen und dafür, dass er die aktuelle Liste an alle verteilt.

Der Transfer von Chips sind die Transaktionen, die Ausrichter von Pokerabenden sind die Miner.

Ganz zu Anfang wurde festgelegt, dass pro Poker-Abend nur ein DIN A4-Blatt mit Änderungen für die Liste vollgeschrieben werden darf. Die Sorge war, dass irgendein Blödmann tausende kleine Zettel schreibt, mit denen er Poker-Chips hin und her schickt.  Der Ausrichter bekäme dadurch einen Krampf in der Hand vom Schreiben und alle müssten ewig lange Listen herumschicken.

Dieses DIN A4-Blatt ist das 1 MB-Limit für Blöcke.

Das hat lange gut funktioniert, aber die Pokerrunde wurde immer beliebter. Inzwischen können auch normale Menschen schon garnicht mehr Veranstalter werden, denn man braucht sehr viel Platz für all die Leute, und das ganze wird nur noch von Leuten betrieben, die große Pokerhallen mit professionellen Tischen haben.

Das Mining wandert also zu ASICS und großen Pools.

Jetzt passiert es sehr oft, dass der DIN A4 Zettel voll ist, während viele kleine Zettel mit Transfers noch nicht abgearbeitet sind. Einige bleiben immer bis zum nächsten Pokerabend liegen. Leute fangen an, auf ihre Zettel sowas zu schreiben wie “Jochen erhält 37 Poker-Chips, und der Ausrichter des Abends bekommt 3 Chips von mir.”. Dadurch erreichen sie, dass ihr Zettel bevorzugt wird, weil der Ausrichter ja den Betrag einstreichen will. Aber die Leute überbieten sich mehr und mehr, es wird teuer, Chips an andere zu geben.

Es ist zu wenig Platz in Blöcken für alle Transaktionen, die Transaktions-Fees steigen.

Einige Leute schlagen vor, einfach mehr Pokerabende zu machen. Aber das wird abgelehnt, weil viele nicht genug Zeit haben, mehrmals teilzunehmen.

Der Vorschlag, die Block-Zeit zu verringern, erhält keinen großen Zuspruch.

Die Diskussion, was man machen soll, dreht sich schnell um die Frage, warum man nicht einfach mehrere oder größere DIN A4-Blätter nimmt, um die Transaktionen aufzuschreiben. Viele sagen, das sei eine offensichtliche Lösung, und die Beschränkung gab es doch eigentlich nur, um Idioten fern zu halten, aber inzwischen sei halt der Bedarf größer und die Zettel von irgendwelchen Spinnern würde man ja eh ignorieren, wenn sie nicht dem Veranstalter genug Chips geben.

Der Vorschlag ist, die Blöcke zu vergrößern.

Andere aber sagen, das wäre ein Problem, weil sie wollen, dass auch Leute mit sehr kleinen Briefkästen mitmachen können, und da passen mehrere Seiten nicht hinein. Außerdem dauert es dann länger, die Listen zwischen den Veranstaltern weiterzureichen. Die Veranstalter, die sich Expressversand leisten können haben dann einen Vorteil. Überhaupt gibt es viel Geschrei und Gestreite.

Ein anderer Vorschlag kommt auf. Dieser ist, einfach dem Veranstalter zu erlauben, die Einträge auf dem Zettel abzukürzen und kleiner zu schreiben, und dann einfach die Unterschriften auf den kleinen Zetteln als Anlage daranzuheften. Dadurch bekommt man mehr Transaktionen auf den Zettel, ohne größere Zettel verwenden zu müssen.

Das ist der Grundgedanke für SegWit.

Manche halten das für grandios, andere denken, dass das doch ziemlich umständlich sei. Der Vorteil sei allerdings, dass ja normale Zettel wie früher immer noch gültig wären und Veranstalter, die von der neuen Regel nichts wissen, ignorieren einfach die angehefteten kleinen Zettel.

Das wäre ein Softfork.

Wenn man einfach größere oder mehr Zettel nimmt, dann wird ein Veranstalter oder ein Teilnehmer, der das neue System nicht kennt, den Zettel als ungültig abweisen.

Das würde einem Hardfork entsprechen. Jede alte Transaktion wird als ungültig abgewiesen.

Außerdem schlägt jemand ein System vor, bei dem man nicht gleich jeden Zettel dem Veranstalter gibt, sonder sie erst einmal privat sammelt. Wenn Peter dann 17 Transaktionen mit Jochen gemacht hat, fassen sie die ganzen Zettel zu einer Zahlung zusammen und geben die dem Veranstalter. Dadurch muss dieser weniger schreiben.

Die Grundidee vom Lightning Network.

Nach viel Streit und Diskussionen und nachdem einige Poker Spieler gedroht haben, nur noch zu Pokerabenden zu gehen, an denen das “kleiner schreiben und Zettel anheften”-System verwendet wird, beschließt ein Großteil der Veranstalter, jetzt diesen Weg einzuschlagen.

Die SegWit-Signalisierung ist groß genug für Aktivierung, nach UASF-Drohungen.

Ein paar Leute wollen aber trotzdem größere Zettel. Einige der Pokerabendveranstalter kündigen also an, ab dem 01.08. nur noch Pokerabende mit großen Zetteln zu veranstalten.

BitcoinABC-Fork kommt und erschafft Bitcoin Cash.

Was bedeutet das jetzt für mich?

  • Ich kann mich entscheiden, ob ich einen Teil ignorieren und nur auf Pokerabende der anderen gehen will, wie es mir besser passt.
  • Die Liste, wer wie viele Chips hat, ist erstmal auf beiden Pokerabenden gültig. Ich hab also plötzlich nicht einfach nur Pokerchips (Bitcoin), sondern auch BCC (Besonders Coole Chips), die bei den groß-Zettel-Runden anerkannt sind.
  • Ich muss nichts Besonders tun um die BCC “einzufordern” oder “zu erhalten”. Die existieren deshalb, weil dafür die gleiche Liste von Pokerchips verwendet wird, die zum Stichtag des Forks existiert.
  • Ich kann, wenn ich nur in den “normalen” Runden weiterspielen will, natürlich einfach einmal zu einer BCC Runde gehen, um dort für meine BCC ganz viel Bier zu kaufen. Dann hab ich auf deren Liste keine Chips mehr, aber das ist mir egal, denn auf der normalen Liste ist ja alles noch cool. Also gratis Bier.
  • Ich muss aber aufpassen, dass nicht jemand eine Kopie von dem Zettel macht, auf den ich bei der BCC-Runde “Friedhelm kriegt alle meine Chips” schreibe, damit zu einer normalen Runde geht und meine normalen Chips einkassiert (oder andersrum!). Bisher ist nicht ganz sicher, ob das möglich sein wird, oder ob die BCC-Runde zum Beispiel erfordern wird, dass Transaktionen nur auf rosa Zetteln eingereicht werden können, während in der normalen Runde gelbe Post-Its verpflichtend sind. (Replay Protection.)
  • Alle Chips, die ich vor dem Aufteilen der Poker Runden habe, existieren auf beiden Listen. Die Chips, die ich danach bekomme oder versende, habe ich vermutlich nur auf einer Liste. Das bedeutet, es könnte sein, dass alte Einträge plötzlich mehr wert sind, weil man dafür jetzt zwei Bier bekommen kann, oder, dass neue Einträge plötzlich weniger wert sind, weil man dafür nur mehr ein Bier bekommt.
  • Wenn ich einen Teil meiner Chips zur Verwaltung an wen anders übertragen habe (Exchange, “Online-Wallet”), hängt es davon ab, wie der so drauf ist, ob er mir auch in beiden Pokerrunden die Chips wieder zurückschickt, oder ob er das zum Beispiel nur in den normalen Runden macht, während er die BCC Runde ganz ignoriert. Er könnte auch einfach selbst dort von meinen Chips Bier saufen gehen. Also wenn ich sicher sein will, dass ich an all das mir zustehende Bier komme, muss ich die Chips auch wirklich auf meinen eigenen Namen haben (die Private Keys selbst haben).

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